Wolfgang Werler ist Präsident des SV Roschütz. Energisch sorgt er sich um den Fußballnachwuchs. Sein spannendes Leben mit „Schraubenschlüssel, Kuli, Fußball, Grenzerfahrung 1989“ ist hier skizziert.

Roschütz. Wenn man sich richtig reinkniet in was Neues, dann schafft man das. Das ist die Lebensmaxime von Wolfgang Werler.
Mit diesem Vorsatz ging er im September 1989 über die grüne Grenze von Ungarn nach Österreich. Durch den zerschnittenen Grenzzaun ins Ungewisse. Nicht einmal zwei Monate später öffnete sich am 9. November 1989 die Grenze offiziell für alle. Im VEB Kompressorenwerk Gera war Wolfgang Werler Schlosser wurde 1980/81 als Reservist zu den Pionieren auf den Hain geholt. Als der Offizier mir befahl, den Panzer statt mit einem Splint, so wie ich es in der Lehre gelernt hatte, mit einem Nagel zu reparieren, lehnte ich das ab. Das ging gegen meine Berufsehre, mein Fachwissen, schließlich stand ich auch mit meinem Namen für diese Arbeit gerade. Wegen Befehlsverweigerung saß Werler drei Tage im Objekt ein. Das brachte bei mir das Fass zum Überlaufen. Alles war reglementiert, das ganze Leben. Wer das richtige Parteibuch hatte, hatte auch das Sagen.

 

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Wolfgang Werler, Präsident des SV Roschütz(r.) mit Torschützenkönig und Stürmer des SV Roschütz Daniel Gehrt. Foto: Elke Lier

 

Wolfgang Werler bekam nach der Ankunft im Westen von seiner Tante in Hamm/NRW ein altes Auto, fuhr nach Weiden in die Aufnahmestelle und suchte Arbeit. Als Schlosser oder Schweißer gelang ihm das nicht, aber Versicherungsvertreter wurden gesucht. Er ließ sich umschulen. Nichts wars mehr mit Schraubenschlüssel, einen Kuli musste ich in die Hand nehmen, sagt er. Schon 1990 machte er sich selbstständig, konnte über sein Leben frei bestimmen, lebte in Wunsiedel und spielte in Höchstedt Fußball. Seine Wohnung in Gera hatte er nie aufgegeben, in Gera fand er seine neue Liebe, wurde zum Pendler zwischen Ost und West. Als er 1991 nach einem schweren Sportunfall die Fußballschuhe als Aktiver ausziehen musste, ging er 1993 ganz nach Gera zurück. Dem Fußball blieb er treu, fing 1994 als Trainer beim TSV 1886 in Gera-Leumnitz an, wechselte 2005 zum SV Roschütz, der bis heute seine sportliche Heimstatt ist.

Ich sehe noch, wie du 2005 deinen Computer reingetragen und dein Büro eingerichtet hast, erinnert sich Torschützenkönig und Stürmer Daniel Gehrt an die Ankunft des energiegeladenen Trainers und Geschäftsführers und heutigen Präsidenten Werler. Seinen Beruf gab Wolfgang Werler nach einem Herzinfarkt auf, seine Berufung nicht. Es ist uns gelungen, den SV Roschütz von der Stadtliga in die Kreisoberliga und seit 2012 auch in die Landesklasse zu führen. Leute wie Daniel Gehrt haben ihren Anteil daran, motivieren die Mannschaft, halten sie zusammen. In der letzten Saison konnte der nun leider verletzte Daniel Gehrt 29 Tore verbuchen.
"Wenn der Verein im Gespräch ist, weil hier was los ist und ordentlich trainiert wird, dann kommt der Nachwuchs." Wolfgang Werler Verletzte und der Arbeit nachgezogene Spieler machen dem SV Roschütz zu schaffen. Damit muss man klarkommen, sagt Werler, aber wenn man den Verein im Gespräch hält, ihn interessant macht für den Nachwuchs, dann geht es wieder aufwärts. Imagegewinn will der umtriebige Präsident durch spannende Turniere mit höherklassigen Mannschaften erreichen, gleichzeitig eigene junge Spieler anfeuern, vorwärts zu kommen. Mit dem 1. Geraer Banden Masters Turnier im Januar in der Erwin-Panndorf-Halle wurde dafür ein guter Start hingelegt. Am 3. Januar 2016 soll die zweite Auflage folgen. Ehrgeiziges Ziel: 1000 Zuschauer.

Der Jugend der Stadt mit Sport sinnvolle Freizeit, auch Erfolge zu verschaffen, ist das Anliegen Werlers. Wir sind offen für Migranten, wenn sie sich in den Verein mit all seinen Regeln integrieren, sagt er. Künftig wird es auf dem Roschützer Sportplatz einen Sandkasten geben. Für die Jüngsten, während die Papas spielen, plant Werler familienfreundlichen Fußball.
Was denkt er, der vor 25 Jahren den Weg in ein neues Leben suchte, heute über die deutsche Einheit? Es gibt noch viel zu tun. Manche, die nicht den Mut hatten, eingefahrene Gleise zu verlassen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, haben es nicht geschafft. Ich bin zufrieden. Was mich ärgert, ist, dass es wieder Leute gibt, denen ihre Karriere wichtiger ist, als das Wohl ihrer Mitmenschen.

Elke Lier / 16.09.15 / OTZElke Lier / 16.09.15 / OTZ

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